Endlich das ganze dramatische Werk Shakespeares an einem Abend! Das geht nicht? Sicher, wenn man bedenkt, daß es sich um 37 Stücke handelt, die, von 1834 Darstellern gespielt, etwa eine geschätzte Aufführungsdauer von über 150 Stunden hätten. Und wer will schon fast eine ganze Woche im Theater sitzen? Sie?

Aber das ist auch gar nicht mehr nötig, denn die Autoren und Schauspieler Adam Long, Daniel Singer und Jess Winfield von der amerikanischen Reduced Shakespeare Company haben mit ihrer Kalifornischen Uraufführung von „Shakespeares Sämtliche Werke (leicht gekürzt)" 1987 einen Theatercoup gelandet, der seitdem einen Siegeszug über die Bühnen der Welt angetreten hat und den wir Ihnen nun nicht länger vorenthalten wollen. Von A wie Antonius bis Z wie Zettel wird hier ein Bildungsmarathon zu zwei Stunden geschrumpft, ohne auch nur eine einzige Komödie oder Tragödie, Historie oder ein Königsdrama auszulassen. Von „Sein oder nicht sein, das ist hier die Frage" ist nur ein kurzer Weg bis „Hast du zur Nacht gebetet, Desdemona?", bevor man konstatieren kann „Es war die Nachtigall und nicht die Lerche". Und damit ist auch schon alles gesagt.

Und zwar von genau 3 (in Worten: Drei!) Darstellern, die damit auf eine rasante Achterbahnfahrt durch die wohl bekanntesten Verse der Theaterliteratur gehen. Wohl ein sehr unorthodoxer Umgang mit Klassikern, aber bei dieser genialglückseligen Albernheit steppt der Shakes-Bär den vollkommenen Bühnenblödsinn.

Das Ganze ist eine Comedy in allerfeinster Slapstick-Tradition, ist geistvolles Entertainment für alle Shakespeare-Fans und solche, die es werden wollen, denn dieser Guiness-Buch-verdächtige Kleidertausch-Geschlechter-Verwechslungs-Rausch ist eine große Hommage an den großen Meister aus Britannien und eine Liebeserklärung ans Theater.